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Regelkunde

 

Das Regelwerk im Ringen hat sich in den vergangenen Jahren mehrmals – und das teils auch sehr radikal – geändert, immer mit dem Ziel, den Sport attraktiver zu gestalten. Dieses Vorhaben konnte nicht immer erreicht werden und so drohte dem Ringkampfsport im Jahr 2013 sogar das Aus bei den Olympischen Sommerspielen! Ringen, DIE olympische Sportart schlechthin… Der Weltverband FILA sah sich gezwungen, das Regelwerk grundlegend zu überarbeiten, um nicht aus dem olympischen Programm zu fliegen. Jetzt kann behauptet werden, dass sich die Änderungen bewährt haben: die Kämpfe sind attraktiver geworden, spannender und das Regelwerk transparenter für den Zuschauer.
Die entscheidenden Regeländerungen vollzogen sich im Jahr 2013. Diese sollen im Folgenden kurz und verständlich vorgestellt werden, anschließend werden noch die Ergänzungen des Jahres 2014 angefügt. Zur besseren Übersicht sollen einzelne „Kategorien“ aufgeführt und erläutert werden!

1.    Kampfzeit
Hier eine wichtige Änderung im Vergleich zu den letzten Jahren. Es werden nicht mehr „Gewinnrunden“ gerungen, die einzeln für sich gewertet werden. Die Kampfzeit beträgt wieder 6 Minuten, wobei nach 3 Minuten eine Pause von 30 Sekunden ansteht. Das Ziel dieser Änderung ist ganz einfach. Wer am Ende mehr Punkte erzielt hat, ist auch der Sieger des Kampfes (dies war bei den „Gewinnrunden“ nicht ausschlaggebend)!

2.    Ende des Kampfes
Das oberste Ziel ist und bleibt unverändert: schafft es ein Ringer, seinen Kontrahenten mit beiden Schultern auf der Matte zu fixieren, ist der Kampf sofort beendet – der Schultersieg! Darüber hinaus kann auch ein „technisch-überlegener Sieg“ erreicht werden, nämlich dann, wenn ein Sportler mit einer Punktzahl von mindestens 15 Punkten Differenz vorne liegt – auch in diesem Fall ist der Kampf damit beendet. Gelingt dies nicht, gewinnt am Ende der Sportler, der mehr technische Punkte gesammelt hat. Es ist jedoch möglich, dass nach Ende der Kampfzeit ein Gleichstand herrscht. Dann wird der Sieger nach folgenden Kriterien ermittelt.

  • Höhere Wertung/Anzahl höhere Wertungen Bsp: Punktestand 4:4, Ringer A hat 4x eine 1er Wertung erzielt, Ringer B aber eine 4er Wertung Ringer B ist Sieger aufgrund der höheren erzielten Wertung!
  • Anzahl Verwarnungen Bsp: Punktestand 3:3, beide Ringer haben jeweils 3x eine 1er Wertung erzielt, Ringer A hat aber eine Verwarnung wegen Passivität bekommen Ringer B ist Sieger aufgrund der weniger erhaltenen Verwarnungen!

Letzte Wertung Bsp: Beide Ringer haben exakt die gleichen Wertungen erzielt, gleiche Anzahl an Verwarnungen, aber Ringer B hat die letzte Wertung des Kampfes erzielt Ringer B ist Sieger aufgrund der letzten Wertung!
Ebenfalls möglich ist ein „Disqualifikationssieg“. Dieser kommt zustande, wenn ein Sportler eine grobe Unsportlichkeit begeht (Rote Karte im Fußball) oder wenn er aufgrund von Passivität oder Griffentzug drei Verwarnung erhalten hat.

3.    Wertungen

Größere Veränderungen hat es auch in der Bewertung von Griffaktionen beziehungsweise deren Bepunktung gegeben. Weiterhin einen Punkt gibt es, wenn der Kontrahent die blaue Schutzzone betritt. Neu hingegen ist der sogenannte „Take-Down“. Damit ist schlichtweg das Überführen vom Stand in die Bodenlage gemeint, was früher ebenfalls einen Punkt gab. Um diese Aktion allerdings gegenüber dem „Rausschieben“ aufzuwerten, erhält ein Ringer für eine solche Aktion jetzt eine 2er-Wertung! Die 3er-Wertung wird man als Zuschauer fortan nicht mehr sehen! Diese Änderung ist ganz neu und besagt, dass alle Würfe jetzt mit einer 4er-Wertung belohnt werden – der Sinn dahinter ist auch leicht erklärt: die Risikobereitschaft eines Ringers, der einen Wurf ansetzt, soll mehr belohnt werden! Auch auf die spektakuläre 5er-Wertung muss der Zuschauer nicht verzichten, sie findet bei Würfen mit großer Amplitude in die gefährliche Lage weiterhin Gebrauch – allerdings nur noch im griechisch-römischen Stil.
Kurz zusammengefasst die Wertungen:

  • Freistil: 1,2,4
  • Griechisch-römisch: 1,2,4,5

4.    Passivität
Das Thema „Passivität“ ist die wohl am schwierigsten zu erkennende Komponente für den Zuschauer beim Ringen. Es gibt viele verschiedene Anzeichen, die einen Ringer passiv erscheinen lassen. Im Kern bedeutet „passiv“ zunächst, dass sich ein Sportler dem Kampf entzieht und in erster Linie keine Griffansätze erkennen lässt. Dies äußert sich zum Beispiel im „Rückwärtsgehen“, „Handgelenke-oder Fingerhalten“ oder, indem der Kopf auf der Brust des Gegners abgelegt wird. Dies hat der Kampfrichter zu ahnden, um den Kampf zu stimulieren. Hier gibt es zwei unterschiedliche (Freistil und Griechisch-römisch) Schemata, nach denen verfahren wird.

  • Freistil:

Hier kann der Kampfrichter auf die sogenannte „Aktivitätszeit“ zurückgreifen. Erhält ein Ringer diese, so muss er innerhalb von 30 Sekunden eine Wertung erzielen. Gelingt ihm das nicht, erhält er eine Verwarnung und sein Gegner einen Punkt. Sinn dahinter ist, dass der passive Ringer dazu gezwungen wird, aktiver zu agieren. Die Aktivitätszeit kann beliebig oft vom Kampfrichter angeordnet werden, allerdings nicht mehr nach 2:30min und 5:30min Kampfzeit (da sonst keine 30 Sekunden mehr bis zur Pause beziehungsweise dem Ende des Kampfes zur Verfügung stehen würden!). Voraussetzung für dieses Handeln ist allerdings, dass der Sportler einmalig auf seine Passivität hingewiesen worden ist, was mit einem „P“ signalisiert wird. Für den Zuschauer ist dem allen leicht zu folgen. Sowohl das „P“, als auch die 30 Sekunden werden auf der Leinwand separat angezeigt!

  • Griechisch-römisch:

Hier wird auf das bereits bekannte Modell der Bodenrunde zurückgegriffen. Ist ein Sportler vom Kampfrichter als passiv angezeigt, so kann der Gegner wählen, ob es im Stand oder in der Bodenlage weitergehen soll. Wählt er die Bodenlage, so hat er – je nach Ermessen des Kampfrichters – 20-30 Sekunden Zeit, eine Wertung zu erzielen, ehe es im Stand weitergeht. Dabei folgt der Kampfrichter folgendem Schema:

  • 1. Schritt: Ringer A erhält ein „P“. Dafür wird der Kampf nicht unterbrochen, sondern der Sportler wird verbal („Rot/Blau passiv“) darauf hingewiesen, an der Anzeige erscheint ein „P“
  • 2. Schritt: Ringer A erhält eine Verwarnung, Ringer B darf zwischen Stand- und Bodenkampf wählen
  • 3. Schritt: Ringer A erhält wieder eine Verwarnung, Ringer B darf zwischen Stand-und Bodenkampf wählen und erhält dazu noch einen Punkt
  • 4. Schritt: Ringer A erhält die dritte Verwarnung Ringer B gewinnt den Kampf aufgrund von Disqualifikation
  • Auch dieses Vorgehen kann der Zuschauer auf der Anzeige gut verfolgen.

 


 


 

5.    Sonstige Regeln
Es lassen sich natürlich noch viele Kleinigkeiten anführen, die aber nur selten Anwendung finden und deswegen zu vernachlässigen sind. Einige Dinge, die dem Zuschauer an einem Kampfabend jedoch begegnen werden, sollen noch aufgezeigt werden.

  • Eigener Griff

Setzt ein Sportler eine Technik aus dem Stand an und scheitert dabei, so wird der Kampf ohne Wertung unterbrochen und es geht im Stand weiter. Der Gedanke dahinter ist, dass der Ringer für seine Risikobereitschaft nicht bestraft wird und somit öfter versucht, eine Technik anzusetzen.

  • Verbotene Griffe

Natürlich gibt es auch verbotene Griffe, meist gegen die Gelenke gerichtet. Diese werden zum Schutz des Sportlers unterbunden, der Kampf unterbrochen und im Stand fortgesetzt

  • Fouls

Auch dies gibt es im Ringen. Im Griechisch-römischen Stil ist dies beispielweise das Verhindern einer Technik durch den Einsatz oder das Halten der Beine. In diesem Fall wird der Sportler mit einer Verwarnung und 1 oder 2 Punkte für den Gegner bestraft. Fouls sind jedoch auch Schlagen, Beißen, Kratzen oder auch Würgen des Gegners


Zu guter Letzt soll noch der Unterschied zwischen dem freien Stil und dem griechisch-römischen Stil erklärt werden. Für Experten und Fans stellen die beiden Stilarten kein Problem dar, für den Laien soll hier jedoch darauf eingegangen werden, damit dem Besuch eines Kampfes nichts mehr im Wege steht. Der Unterschied ist schnell erklärt und leicht zu verstehen. Während im Freistil Angriffe am ganzen Körper erlaubt sind, also auch an und mit den Beinen, sind im griechisch-römischen Stil nur Griffe oberhalb der Gürtellinie erlaubt, es darf nicht an den Beinen gearbeitet werden oder die eigenen Beine als Hilfsmittel (z. B. Beinstellen) genutzt werden.

Mit dieser kurzen Einführung dürften die wesentlichen Elemente des Ringkampfes erklärt sein. Jedoch nutzt die beste Theorie ohne Praxis nichts, am Besten einfach einmal bei den Grizzlys vorbeischauen und einen Kampf hautnah an der Matte verfolgen. Und mit der kleinen Regelkunde kann nichts schief gehen!
 

Für weitere Informationen, können Sie hier diese abrufen.